20.06.2021

Corona und was jetzt?

Nachdem die Studierenden mehrere Semester alleine vor ihren Bildschirmen saßen und

weder die Hochschulen noch Bibliotheken betreten konnten steht fest, dass diese

Situation nicht den langfristigen Umgang von Hochschulen mit Corona darstellen kann.

Viele Studierende haben ihren Nebenjob verloren, finden sich in der digitalen Lehre

nicht zurecht und vereinsamen weil das gesamte Leben in den digitalen Raum verlegt

wurde. Die Liberalen Hochschulgruppen fordern eine Strategie zum langfristigen Umgang

mit Corona und einem Plan wie Hochschulen nach der Pandemie aussehen sollen.

Insbesondere Fragen der psychischen Gesundheit und der Zukunft der digitalen

Lehremüssen stärker in den Fokus rücken.

Finanzielle Unterstützung für Studierende zugänglicher machen

Bei vielen Studierenden ist seit März 2020 der Nebenerwerb aufgrund von Corona

weggefallen. Die Hilfen für Studierende waren bürokratisch und unzureichend.

Studierende deren Eltern ihre Beschäftigung verloren haben konnten auch hier nicht

auf Unterstützung setzen. Neben einem an die heutige Zeit angepassten

elternunabhängigen BAföG fordern die Liberalen Hochschulgruppen auch die Anhebung der

Zuverdienstgrenzen sowie die Abschaffung der Schwelle der Wochenarbeitsstunden. Im

weiteren Verlauf der Corona Pandemie soll ein neu aufgelegtes Programm für die

finanzielle Unterstützung der Studierenden, welche ihren Nebenjob aufgrund von Corona

verloren haben aufgelegt werden. Dieses soll unbürokratischer sein und jedem

Studierenden offen stehen der Betroffen ist, nicht nur einer begrenzten Zahl aufgrund

einer unzureichenden Ausfinanzierung.

Die Regelstudienzeit muss flexibler werden. Sowohl in der Pandemie als auch in

Härtefällen muss die Regelstudienzeit anpassbar sein. Die Förderdauer des BAföG soll

auf zwei Semester nach der angepassten Regelstudienzeit ausgeweitet und in

Härtefällen auch darüber hinaus gewährt werden.

Ablegen von Prüfungen

Obwohl es überwiegend nicht möglich ist Hochschulen und Bibliotheken aufzusuchen, um sich der dort vorhandenen Lehrmittel zu bedienen, müssen Studierende weiterhin

Prüfungen ablegen. Um auf die Situation der Studierenden einzugehen, muss eine

individuelle Anpassung auf die Umstände der Studierenden und eine Anpassung auf

dengelehrten Inhalt erfolgen. Diese Anpassung kann in einer Verlängerung der

Bearbeitungszeit von Hausarbeiten, einer längeren Vorbereitung, auf Prüfungen oder

einer Senkung der Voraussetzungen bestehen. Wir sehen in der Krise auch die Option

sich auf neue Prüfungsmodelle einzulassen und die bisherigen Prüfungsarten an die

Zeit anzupassen. Digitale Prüfungen finden grundsätzlich die Zustimmung der liberalen

Hochschulgruppen, jedoch muss der einzelne Studierende die Möglichkeit haben auf

einer Prüfung in Präsenz zu bestehen. Präsenzprüfungen sollen für die Studierenden

möglichst sichergestaltet werden. Die Liberalen Hochschulgruppen fordern, dass diese

nur stattfinden sollen, wenn die Abstandsregeln und die Maskenpflicht eingehalten

werden können und die Lüftung der Räumlichkeiten sichergestellt werden kann. Das gilt

nicht nur für die Prüfung, sondern auch für den Weg durch die Gebäude in den

Prüfungsraum. Bei Prüfungen, die länger als 2 Stunden gehen, soll die Möglichkeit von

Prüfungspauseneruiert werden.

Für jede Prüfung muss die Möglichkeit bestehen diese digital abzulegen. Studierende

die eine Vorerkrankung haben oder sich im direkten Umfeld einer kranken, älteren

oderschwangeren Person befinden dürfen in ihrem Studium nicht durch Präsenzprüfungen

benachteiligt werden.

Grundsätzlich muss auch bei Online-Prüfungen jederzeit der Täuschungsschutz

sichergestellt werden, unter angemessener Berücksichtigung des Datenschutzes und der

Unverletzlichkeit der Wohnung beim Einsatz von technischen Maßnahmen zur Überwachung

der Prüfung. Die Liberalen Hochschulgruppen lehnen es ab, eine abgelegte Prüfung für

alle Prüflinge sichergestellt werden. Die Liberalen Hochschulgruppen lehnen es ab,

eine abgelegte Prüfung für alle Prüflinge ungültig zu machen, sollte ein Verdacht auf

einen Täuschungsversuch bestehen.

Psychische Gesundheit ernst nehmen – Perspektiven schaffen

Studierende sind durch die Schließung der Hochschulen, der Gastronomie und der

Kontaktbeschränkungen einer besonders großen Belastung ausgesetzt. Während die

Problematiken durch die Beschränkungen bei anderen Bevölkerungsgruppen in der

Gesellschaft thematisiert werden, wird die Situation der Studierendenaußenvorgelassen

oder die Betroffenheit wird ihnen abgesprochen. Die Liberalen Hochschulgruppen

fordern, dass die Situation der Studierenden und die daraus resultierenden Probleme

adressiert und ernst genommen werden. Es müssen Hilfsangebote zur Verfügung gestellt

werden die allen Studierenden einfach zugänglich sind. Darüber hinaus ist es von

großer Bedeutung den Studierenden eine Öffnungsperspektive zu bieten und diese

konsequent umzusetzen. Die Gewissheit das eine Rückkehr zu einemnormalen

Hochschulalltag baldmöglichst geplant ist würde eine große Entastung für Studierende

darstellen. Es sollen Parameter festgelegt werden, ab denen es wieder möglich ist die

Bibliotheken zu öffnen und Veranstaltungen in Kleingruppendurchzuführen. In einem

zweiten Schritt sollen größere Veranstaltungen, vor allem für die Semester welche

seit Beginn ihres Studiums von den Beschränkungen betroffen sind, zugelassen werden. Ein ausreichender Schutz soll mit einem Hygienekonzeptsichergestellt werden. Auch für

die Zulassung von Veranstaltungen anderer Semester und letztendlich für die Zulassung

von Vorlesungen soll es festgelegte Parametergeben.

Aus dem Umgang mit digitalen Lehrmitteln lernen

Die digitale Lehre bietet Chancen, allerdings mussten Studierende durch die Pandemie

auch die Nachteile erfahren. Digitale Lehrplattformen kamen an ihre Kapazitätsgrenze

und waren zeitweise nicht mehr zugänglich. In Meetings fallen immer wieder technische

Probleme auf, die vor allem an dem schlechten Internetausbau in Deutschland liegen.

Die digitalen Möglichkeiten an Hochschulen müssen ausgeschöpft, die

Plattformenverbessert und der Internetausbau vorangetrieben werden. Des Weiteren sind

Dozierende nicht an die veränderten Bedingungen einer digitalen Veranstaltung

vorbereitet gewesen, weshalb die Übermittlung des Lehrinhaltes erschwert wurde. Um in

Zukunft weiter die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können müssen Dozierende in

den Möglichkeiten der Gestaltung einer online-Veranstaltung weitergebildet werden.

Für Studierende die über kein Endgerät verfügen soll eine Förderung des BMBF ins

Leben gerufen werden mit der sie sich ein Endgerät von den Hochschulen ausleihen

können. Die Dauer der Ausleihe bezieht sich auf ein Semester. Um Missbrauch

vorzubeugen soll eine Kaution und eine niedrige monatliche Miete entrichtet werden.

In der Pandemie sehen die Liberalen Hochschulgruppen auch die Möglichkeit die

Digitalisierung der Lehre weiter voranzutreiben und die Möglichkeiten auch nach dem

Ende der Pandemiebeschränkungen nutzen zu können. Veranstaltungen sollen in

einemhybriden Format abgehalten werden, sodass Studierende die Art der Teilnahme an

ihre Lebenswirklichkeit anpassen können. Außerdem erhalten bleiben soll die

Möglichkeit digitaler Prüfungen für Studierende mit einem ärztlich bescheinigten

gesundheitlichen Grund.

Die Lehrmittel der Hochschulen sollen weiterhin digitalisiert werden, damit es in

Zukunft keinen Nachteil mehr darstellt die Bibliothek nicht aufsuchen zu können. In

einem zweiten Schritt sollen die digitalisierten Medien aller Hochschulen in

einemübergreifenden Portal allen Studierenden der deutschen Hochschulen zugänglich

gemacht werden. Auch eine Lösung auf europäischer Ebene ist denkbar.