04.07.2018

Drogenkonsum

Die Liberalen Hochschulgruppen fordern, sich an Universitäten gegen die Stigmatisierung von Drogenkonsum und psychischen Erkrankungen bei Studierenden einzusetzen.

Unserer Ansicht nach hat die repressive Drogenpolitik durch das derzeitige Strafrecht unverhältnismäßig negative Konsequenzen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Im Ausgangspunkt zeitigt zwar der Konsum von psychotropen Substanzen, wozu neben Drogen im engeren Sinne auch beispielsweise Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Koffein zählen, negative gesundheitliche Auswirkungen je nach Art, Dauer und Regelmäßigkeit des Konsums. Er verursacht bei Behandlungsbedürftigkeit soziale Kosten. Konsumenten von Drogen im engeren Sinne werden jedoch übermäßig kriminalisiert, Schwarzmärkte und Beschaffungskriminalität werden erst geschaffen und es wird in Strafverfolgung statt in Prävention investiert.

An der Hochschule nehmen Studierende psychotrope Substanzen aus ganz unterschiedlichen Gründen ein: zu Genusszwecken, zu Rauschzwecken, zur Leistungssteigerung oder zur Beruhigung unter Stresssituationen. Wir setzen auf die Eigenverantwortung der Studierenden, aber Eigenverantwortung setzt Aufklärung und Bildung voraus. Optimalerweise sollte Drogenmündigkeit bereits Gegenstand der Schulbildung sein. Wir fordern darüber hinaus, dass jede Hochschule bzw. jedes Studentenwerk kritisch ihr psychosoziales Beratungsangebot überprüft und insbesondere zu dem Themenkomplex Brain-Doping/Neuro-Enhancement proaktiv Informationsveranstaltungen anbietet. Drogentests hinsichtlich Neuro-Enhancers lehnen wir ab.

In gleichem Maße müssen die Hochschulen adäquate (Erst-)Anlaufstellen für psychische Erkrankungen bei Studierenden anbieten. Dies gilt sowohl für psychische Erkrankungen, für die Arbeitsbelastung im Studium oder bei extracurricularem Engagement ursächlich ist als auch sonstige Erkrankungen. Wir vertreten nicht die Position, dass das Studium egalitärer und drucklos werden und Leistungsnachweise bzw. Noten abgeschafft werden sollten. Wir vertreten vielmehr, dass das Thema enttabuisiert werden soll. Dies kann beispielsweise gelingen, indem Studierende selbst untereinander eine Kultur der Achtsamkeit leben, es in der studentischen Selbstverwaltung einen Ansprechpartner für psychische Erkrankungen gibt und das psychosoziale Beratungsangebot ausgebaut wird.