04.07.2018

Studentische Hilfskräfte

Wir halten es für falsch, die Beschäftigung als Studentische Hilfskraft ausschließlich auf finanzielle Erwägungen zu verengen. Studierende suchen hier ebenso engeren Kontakt zu Professoren, erste eigene Lehrerfahrung oder Mitarbeit an einem Forschungsprojekt. Auch sie haben insoweit teil an der Freiheit in Forschung und Lehre. Gleichzeitig stehen sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Dienstvorgesetzten, bei dem sie auch Prüfungen und Abschlussarbeiten ablegen.

Arbeitszeiten und Vergütung

Diese Interessenlage darf nicht dazu führen, dass Studentische Hilfskräfte dauerhaft mehr als arbeitsvertraglich vereinbart und auf Abruf arbeiten müssen. Ebenfalls sollte die Tätigkeit angemessen vergütet werden.

Befristung

Es ist falsch, pauschal von prekärer Beschäftigung von Studentischen Hilfskräften zu sprechen und befristete Arbeitsverhältnisse bei Studentischen Hilfskräften zu verdammen. Die Tätigkeit als Studentische Hilfskraft ist von vornherein keine Tätigkeit mit langfristiger Perspektive, sondern eine Durchgangsstation für eine spätere Karriere. Im Studium sind befristete Verträge vorzuziehen, um Planungssicherheit und Flexibilität für neue Projekte zu haben. Die Grenzen bildet nur die arbeitsrechtliche Befristungskontrolle.

Einstellung und Eingruppierungen

Jeder Lehrstuhl und jede Forschungseinrichtung darf sich für ein eigenes faires und leistungsorientiertes Verfahren zur Stellenvergabe für Studentischen Hilfskräfte entscheiden. Einen Zwang zur Ausschreibung lehnen wir ab. Die Universitätsverwaltung muss Einstellungsunterlagen schnell bearbeiten und die Vergütung muss fristgerecht ausgezahlt werden.

Als Studentische Hilfskraft soll nur eingestellt werden, wer noch kein Hochschulstudium abgeschlossen hat. Wer zumindest ein Bachelorstudium abgeschlossen hat, sollte im gleichen Fach nicht als Studentische Hilfskraft, sondern als Wissenschaftliche Hilfskraft (WHK) mit entsprechend höherer Vergütung eingestellt werden. Wer ein Masterstudium oder einen gleichwertigen Abschluss hat, soll als Wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt werden. Einer höheren Einstufung aufgrund von Berufserfahrung oder besonderer Eignung darf aus unserer Sicht nichts entgegenstehen.

Die Zeiten eines befristeten Arbeitsverhältnisses als Studentische Hilfskraft sind nicht auf die zulässige Befristungsdauer von sechs Jahren vor der Promotion (§ 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG) anzurechnen.

Institutionelle Absicherung: Studierendenvertretung statt Personalvertretung

Um die Arbeitsbedingungen einzuhalten, bedarf es aber keineswegs einer Personalvertretung für Studentische Hilfskräfte. Es ist falsch, auf immer mehr Gremien an der Hochschule zu setzen, die nur Partikularinteressen vertreten und gegenüber dienstvorgesetzten Professoren und Hochschulleitungen schwach auftreten. Die Studierendenschaft darf nicht gespalten werden in Studierende mit und solche ohne Beschäftigungsverhältnis an der Universität. Vielmehr sind die Studierendenvertretungen auf Universitätsebene und Fachschaften gefragt, sich aktiv für die Belange von Studentischen Hilfskräften einzusetzen.