Mehr Attraktivität statt Quotenmedizinerregel


Die Liberalen Hochschulgruppen nehmen mit Besorgnis den zunehmenden Mangel an landärztlicher Versorgung war. Schon jetzt müssen immer mehr Allgemeinmediziner ihre Praxen auf dem Land schließen, da sie keine Nachwuchsmediziner finden, die bereit sind, ihre Praxis zu übernehmen. Der sich zuspitzende Mangel an Landärzten, wird sich in den kommenden Jahren noch drastisch steigern, wenn ein Großteil der im Moment praktizierenden Landärzte in den Ruhestand gehen wird. Neben der
bevorstehenden Ruhestandswelle bedroht zudem der erhöhte Bedarf an Medizinern, aufgrund einer alternden Gesellschaft, die flächendeckende medizinische Versorgung. Durch die ärztliche Minderversorgung, verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen für die noch vorhandenen Ärzte auf dem Land, da diese immer mehr Patienten, eines noch größeren Einzugsgebietes behandeln müssen. Diese Voraussetzungen machen den Beruf für der ambulanten Abrechnungssysteme, insbesondere die
Universitäten gefragt, welche die Lehre der Allgemeinmedizin attraktiver gestalten müssen, um dadurch Studierende wieder für den Beruf des Landarztes begeistern zu können.

Bezahlte Praktika
Der erste Schritt, um den Berufswunsch des Landarztes zu entwickeln, besteht darin, den Arbeitsalltag von diesem kennenzulernen und Einblicke in das Arbeitsleben zu erhalten. Um dies möglichst vielen Studierenden zu ermöglichen, begrüßen die Liberalen Hochschulgruppen eine geregelte Vergütung der Praktika im Hausarztbereich. Solche Vergütungsmaßnahmen ziehen jährlich tausende Studierende für
Praktika in das Ausland. Dieser Motivationseffekt muss genutzt werden, um auch das Hausarztpraktikum populär zu machen. Zudem ist eine entsprechende Vergütung der Arbeitszeiten nur fair, da Studierende
in der ambulanten Versorgung den Medizinern nicht nur über die Schulter blicken, sondern auch Arbeit abnehmen und zuarbeiten können. Das Pflichtquartal Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr lehnen wir
jedoch konsequent ab.

Landarztstipendien statt -quoten
Von Bundesländern bezahlte Stipendien, die Studierende finanziell unterstützen, insofern diese nach abgeschlossenem Studium auf dem Land praktizieren wollen, begrüßen wir, im Gegensatz zu einer Landarztquote oder Landkinderquote bei der Zulassung zum Studium. Zum einen besteht bei einer stipendialen Unterstützung nicht die Gefahr der Ausnutzung von Studierenden, die sich durch Rückzahlung der Beträge, von den vorab geschlossenen Verträgen freikaufen. Zum anderen wird durch Landarztstipendien nicht manipulativ in das Auswahlverfahren der Medizinstudienplatzvergabe eingegriffen, und einzelnen Abiturienten qualitätsunabhängige Vorteile verschafft.

Niederlassungswahlfächer
Um Studierenden die Angst vor der Niederlassung zu nehmen, fordern die Liberalen Hochschulgruppen die Universitäten auf, Informationslücken in diesem Bereich durch Wahlfächer, die die Studierenden freiwillig besuchen können, zu füllen. Gezielt müssen Auskünfte über Abrechnungssysteme, Versicherungen und Besonderheiten der Arbeit im ambulanten Sektor angeboten werden.

Promotionsmöglichkeiten verbessern, Forschung ermöglichen
Um die Allgemeinmedizin attraktiv zu machen, müssen die Promotionsmöglichkeiten in diesem Fach deutlich verbessert werden. Grundvoraussetzung hierfür sind entsprechend große Lehrstühle an allen
Universitätskliniken, welche Workshops zu Methoden wissenschaftlichen Arbeitens, Literaturrecherche und statistischen Analysen mit SPSS anbieten müssen. Auf- und Ausbau von Lehrstühlen mit Forschungsabteilungen in den medizinischen Fakultäten ermöglichen zudem die Förderung klinischer Forschung, die bis jetzt in der Allgemeinmedizin stark unterrepräsentiert ist. Deutschlandweite
Forschungspraxennetzwerke müssen vorangetrieben werden und in den Allgemeinmedizininstituten der Universitätskliniken verankert werden. Entsprechende Mittel müssen vom Staat zur Verfügung gestellt
werden, um Forschung in der primären Versorgung gewährleisten zu können.

Zulassungsverfahren überarbeiten
Die starke Gewichtung der Abiturnote bei der Studienzulassung spiegelt alleine genommen nicht immer die beste Qualifikation für ein Medizinstudium oder zum Arztberuf wider. Die Liberalen Hochschulgruppen fordern daher eine stärkere Gewichtung von medizinspezifischen Studierfähigkeitstests, Situational Judgement Tests oder vorhandener Berufserfahrung im Auwahlverfahren gewürdigt werden, um auch Abiturienten, die nicht die Möglichkeit hatten, Die starke
Gewichtung der Abiturnote bei der Studienzulassung spiegelt alleine genommen nicht Pflege- oder Notfallbereich. Die Abiturbesten eines Jahreganges sollen jedoch weiterhin im entsprechende Tests zu
absolvieren, die Chance auf eine Zulassung zu geben.